Warnstreiks bei Ford Köln
Warnstreiks bei Ford Köln, pixabay/Foto illustrativ

Die Belegschaft des Autoherstellers Ford in Köln protestiert gegen geplanten Personalabbau und den Wegfall des Insolvenzschutzes. Die IG Metall ruft zu Warnstreiks auf. Im Mittelpunkt stehen Arbeitsplätze, Zukunftsperspektiven und das Vertrauen in die Unternehmensführung.

Inhaltsverzeichnis:

IG Metall fordert Insolvenzschutz von Ford Motor Company

In Köln formiert sich Widerstand gegen den angekündigten Stellenabbau beim Autobauer Ford. Die Gewerkschaft IG Metall hat zu Warnstreiks aufgerufen, nachdem zentrale Forderungen des Managements abgelehnt wurden.

Im Zentrum stehen hohe Abfindungen und ein Insolvenzschutz für die Beschäftigten. Die Arbeitsniederlegungen betreffen Nacht-, Früh- und Spätschichten von Dienstagabend bis Donnerstag.

IG-Metall-Sprecher David Lüdtke betont, dass ein nachhaltiges Konzept für den Standort Köln und der Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze gefordert werde. Zudem verlangt die Gewerkschaft ein rechtlich abgesichertes Schutznetz, da die sogenannte Patronatserklärung von der US-Muttergesellschaft aufgehoben wurde.

Ende der Patronatserklärung erhöht Risiko für deutsche Tochter

Die Ford Motor Company hatte der defizitären Deutschlandtochter seit 2006 finanzielle Rückendeckung gewährt. Diese Patronatserklärung wurde nun beendet, obwohl zuletzt noch ein hoher Geldbetrag zur Schuldentilgung bereitgestellt wurde.

Mit dem Wegfall dieser Garantie ist eine Insolvenz der deutschen Tochtergesellschaft erstmals realistisch geworden. Zwar wurden betriebsbedingte Kündigungen bis 2032 ausgeschlossen, doch im Insolvenzfall könnte dieser Schutz hinfällig sein.

Die IG Metall fordert daher ein rechtlich bindendes Sicherheitsnetz. Das Unternehmen verweist hingegen auf geplante Investitionen und ein neues Geschäftsmodell, das Vertrauen schaffen soll.

Rückgang bei Produktionszahlen und Verkäufen

Ford hat im Jahr 2024 zwei neue Elektro-Geländewagen auf den Markt gebracht, die im Werk Köln produziert werden. Der Absatz dieser Modelle bleibt jedoch hinter den Erwartungen zurück.

Die wirtschaftliche Lage spitzt sich weiter zu: Derzeit sind noch etwa 11.500 Personen bei Ford in Köln beschäftigt. Im Vergleich zu 2018, als es noch rund 20.000 Beschäftigte waren, entspricht das einem Rückgang von ca. 8.500 Arbeitsplätzen.

Ein Teil der Beschäftigten ist bis Mai an einzelnen Tagen in Kurzarbeit. Während der Warnstreiks gilt diese Regelung nicht. Ford Deutschland zeigt Verständnis für die Streiks und will weiter nach ausgewogenen und fairen Lösungen mit den Sozialpartnern suchen.

Kölner Standort bleibt im Fokus, aber Vertrauen schwindet

Das Ford-Management betont, weiterhin auf die deutsche Tochtergesellschaft zu setzen. Es wurden mehrere Hundert Millionen Euro zur Stabilisierung des Standorts bereitgestellt.

Die Streichung der Patronatserklärung sei laut Unternehmen ein Schritt in Richtung Normalität – kein Rückzug aus Europa.

Trotzdem bleibt das Vertrauen vieler Beschäftigter erschüttert. Die Entscheidung, die Patronatserklärung zu kündigen, gilt als Wendepunkt in der Beziehung zwischen Belegschaft und Unternehmensführung. Die kommenden Verhandlungen zwischen IG Metall und Ford könnten für die Zukunft des Standorts Köln entscheidend sein.

Quelle: Wirtschaft Woche