Software entscheidet über die Zukunft der Autobranche
Software entscheidet über die Zukunft der Autobranche, Foto: Pixabay

Die internationale Automobilausstellung in München zeigt deutlich, wie stark sich die Branche verändert hat. Während die deutschen Spitzenmanager auf klassische Industrieerfahrung setzen, prägen in China Software-Experten die Zukunft der Fahrzeuge.

Inhaltsverzeichnis:

Ola Källenius, Oliver Zipse und Oliver Blume

Auf der Messe treten die drei bekanntesten Manager aus Deutschland auf. Ola Källenius leitet Mercedes, Oliver Zipse führt BMW und Oliver Blume steht an der Spitze von Volkswagen. Alle drei stammen aus traditionellen Bereichen wie Produktion, Finanzen und Technik. Källenius ist Wirtschaftswissenschaftler der Stockholm School of Economics, Zipse studierte Maschinenbau, Blume promovierte in Fahrzeugtechnik. Ihre Vorgänger bei BMW wie Harald Krüger, Norbert Reithofer, Bernd Pischetsrieder und Joachim Milberg kamen ebenfalls aus der Produktionswelt.

Die Branche hat sich jedoch verändert. Das Auto entwickelt sich zur Software-Plattform. Analyst Philippe Houchois vom Haus Jefferies wies schon früh darauf hin, dass die Ernennung von Produktionsleitern zu Chefs zwar Tradition habe, heute aber nicht mehr entscheidend sei. Der Fokus liegt nun auf Code, Cloud und künstlicher Intelligenz.

Volkswagen und das Software-Haus Cariad

Volkswagen kämpft seit Jahren mit seiner Software-Tochter Cariad. Dort kam es zu Jobabbau und verspäteten Projekten. Beispiele sind:

  • Audi Q6 e-tron
  • Porsche Macan Electric

Beide Modelle wurden Monate später als geplant vorgestellt. Reuters meldete den Abbau von 1600 Stellen, was fast 30 Prozent der Belegschaft entspricht. Gründe sind verfehlte Softwareziele und organisatorische Probleme.

Um aufzuholen, gründete Volkswagen 2024 ein Joint-Venture mit Rivian. Bernstein-Research bezeichnete dieses Bündnis als „willkommen“. Produkte aus dieser Kooperation werden jedoch erst in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts erwartet. Damit bleibt die Lücke zu den Wettbewerbern bestehen.

BMW und Mercedes setzen auf externe Partner

BMW plant mit der „Neuen Klasse“ eine umfassende Software-Offensive. Vier Hochleistungsrechner und zonale Elektronik-Architektur sollen neue Maßstäbe setzen. Qualcomm liefert Chips, Valeo übernimmt Controller und Software für Park- und Fahrfunktionen. Das bringt Geschwindigkeit, zeigt aber die Abhängigkeit von Zulieferern.

Mercedes entwickelt sein eigenes Betriebssystem MB.OS. Für automatisierte Fahrfunktionen arbeitet das Unternehmen seit 2020 eng mit Nvidia zusammen. Schrittweise werden Google-Dienste und leistungsstarke Rechner ins Auto integriert. Mercedes erreichte zudem als erster Hersteller eine Level-3-Genehmigung in Deutschland. Das bedeutet: In bestimmten Situationen fährt das Auto selbstständig. Einschränkungen gelten jedoch für Modelle und Bedingungen.

Chinesische Marken wie Xpeng, Huawei und Nio

Chinas Autohersteller setzen Software bereits breit im Alltag ein. Xpeng bietet stadtweite „Navigate on Autopilot“-Funktionen und investiert Milliarden in künstliche Intelligenz. Huawei liefert die Software für die Marke Aito.

An der Spitze stehen Chefs mit digitalem Hintergrund:

  1. He Xiaopeng – Gründer von UCWeb, heute Xpeng-Chef.
  2. William Li – früher bei Bitauto, heute Nio-Chef.
  3. Lei Jun – Gründer von Xiaomi, brachte das Modell SU7 in wenigen Monaten in Großserie.
  4. Wang Chuanfu – Chemieingenieur, Gründer von BYD und Entwickler integrierter Batterietechnologien.

Die UBS-Analysten stellten fest: In China gilt Tesla nicht mehr als führend in der Technologie. Europäische Marken verlieren an Attraktivität, wenn sie nicht mindestens gleichziehen.

IAA als Prüfstein für deutsche Hersteller

Die IAA in München wird zum Härtetest. Wer ein Elektroauto unter 25.000 Euro mit schneller Software präsentieren kann, setzt Maßstäbe. Wer nur auf Karosserie und Komfort setzt, verliert.

  • Mercedes, BMW und Volkswagen besitzen Kapital, Markenstärke und weltweiten Vertrieb.
  • Ihre Software-Offensiven kommen aber zu langsam, sind fragmentiert und stark abhängig von Partnern.

Wenn Ola Källenius, Oliver Zipse und Oliver Blume die Unternehmenskultur nicht ändern, droht langfristig ein Wettbewerbsverlust. Geschwindigkeit und regelmäßige Software-Updates bestimmen nun den Markt. Chinesische Konzerne haben hier klare Vorteile.

Quelle:  FOCUS, YouTube, DW News