Porsche kämpft mit Absatz und Umbau
Porsche kämpft mit Absatz und Umbau, Foto: pixabay

Schwache Verkäufe, neue Strategie und strukturelle Veränderungen prägen das erste Halbjahr 2025 beim Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche. Betroffen sind sowohl Haupt- als auch Tochtergesellschaften. Der Hersteller musste weltweit Rückgänge bei Fahrzeugauslieferungen hinnehmen, während gleichzeitig der mögliche Verkauf seiner Beratungstochter MHP diskutiert wird.

Inhaltsverzeichnis:

Rückgang der Auslieferungen in China und Europa

Im Zeitraum Januar bis Juni 2025 lieferte Porsche weltweit rund 146.400 Fahrzeuge aus. Das entspricht einem Rückgang von 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders betroffen war der Absatz in China, wo mit gut 21.300 ausgelieferten Fahrzeugen ein Minus von 28 Prozent verzeichnet wurde. Grund dafür ist laut Unternehmen die angespannte Wirtschaftslage und der hohe Wettbewerbsdruck auf dem chinesischen Markt.

Auch in Deutschland sowie anderen Teilen Europas zeigte sich ein deutlicher Abwärtstrend. Die Zahlen sanken hier ebenfalls, wobei keine genauen Werte veröffentlicht wurden. Bereits im gesamten Jahr 2024 hatte Porsche einen Rückgang von 3 Prozent auf 310.700 Fahrzeuge gemeldet. Die schwierige Marktsituation belastet weiterhin die Bilanz.

Zuwächse in Nordamerika und auf Wachstumsmärkten

Anders stellt sich die Lage in Nordamerika dar. Dort erreichte Porsche mit 43.577 ausgelieferten Fahrzeugen den höchsten Halbjahreswert überhaupt – ein Anstieg von 10 Prozent. Hauptursache war die bessere Verfügbarkeit von Fahrzeugen im Handel sowie Preisgarantien wegen der gestiegenen US-Einfuhrzölle. Viele Kundinnen und Kunden kauften Fahrzeuge vor Ablauf dieser Regelung, um Mehrkosten zu vermeiden.

Auch in Wachstumsmärkten außerhalb Europas – etwa in Afrika, Lateinamerika, Australien, Japan und Korea – konnte Porsche laut eigenen Angaben ein Plus erzielen. Besonders beliebt war das Modell Macan. Von Januar bis Juni 2025 wurden über 45.100 Stück ausgeliefert – ein Zuwachs von 15 Prozent. Mehr als die Hälfte entfiel dabei auf die vollelektrische Variante. Auch der Panamera konnte zulegen.

Rückgänge beim Cayenne, 911 und Taycan

Einen deutlichen Einbruch gab es beim Modell Cayenne, der bisher das absatzstärkste Fahrzeug von Porsche war. Auch der legendäre 911 sowie das Elektro-Modell Taycan verloren an Boden. Insgesamt lag der Anteil der rein elektrischen Fahrzeuge bei 23,5 Prozent.

Der Vorstand für Vertrieb, Matthias Becker, erklärte, dass insbesondere der elektrische Macan maßgeblich zur steigenden Elektrifizierungsquote beiträgt. Die Modellstrategie zeigt erste Erfolge, bleibt jedoch vom Marktumfeld abhängig.

MHP im Fokus strategischer Überlegungen

Parallel zum rückläufigen Kerngeschäft wird die Rolle der Tochtergesellschaft MHP neu bewertet. Laut Berichten des „Handelsblatts“ prüft Porsche den Verkauf der IT- und Managementberatung mit Hauptsitz in Ludwigsburg. Insider berichten von einem möglichen Unternehmenswert von über 1 Milliarde Euro. Der Prozess befinde sich in einem frühen Stadium. Ein offizielles Mandat sei bislang nicht vergeben. Als möglicher Berater gilt die Investmentbank Lazard.

Porsche selbst äußerte sich nicht konkret, betonte jedoch, dass regelmäßig potenzielle Optimierungen bei Beteiligungen geprüft werden. Auch MHP-Chef Federico Magno ließ verlauten, dass Veränderungen in der Shareholder-Struktur grundsätzlich analysiert würden.

Stellenabbau bei MHP in Deutschland

Zudem wurde bekannt, dass MHP an allen deutschen Standorten Personal abbauen will. Es handelt sich um eine geringe dreistellige Zahl von Arbeitsplätzen. Dabei sollen keine Kündigungen ausgesprochen, sondern Abfindungsangebote unterbreitet werden. Die internationalen Standorte seien von der Maßnahme nicht betroffen. Als Begründung nennt das Unternehmen die Umsetzung der neuen Strategie „2030 Turbo“.

Fahrzeugauslieferungen im Überblick

Region Ausgelieferte Fahrzeuge Veränderung zum Vorjahr
Weltweit 146.400 -6 %
China 21.300 -28 %
Nordamerika 43.577 +10 %
Modell Macan (gesamt) 45.100 +15 %
Elektrische Fahrzeuge 23,5 % des Gesamtabsatzes -

Sowohl der rückläufige Absatz als auch der potenzielle Verkauf der MHP zeigen, dass Porsche sich in einer Phase der strukturellen Anpassung befindet. Das Unternehmen reagiert damit auf die Herausforderungen eines volatilen Markts und passt seine Strategie entsprechend an.

Quelle: SWR