Die Halbjahresbilanz von Mercedes-Benz fällt deutlich schwächer aus als erwartet. Der schwächelnde Absatz, hohe Zölle sowie Aufwendungen für Restrukturierungsmaßnahmen belasten den traditionsreichen Hersteller aus Stuttgart erheblich. Besonders hart trifft das Unternehmen die aktuelle Lage auf dem chinesischen Markt und der Verlust bei den E-Autos. Das Management reagiert mit einem umfangreichen Sparprogramm, doch Experten zweifeln an dessen ausreichender Wirkung.
Inhaltsverzeichnis:
- Gewinneinbruch bei Mercedes-Benz um 55 Prozent
- Neue Handelsregeln mit USA treffen Exporte
- Chinas Luxussteuer belastet Absatz zusätzlich
- Sparprogramm mit Stellenabbau bis 2027
- Ausblick bleibt unsicher
Gewinneinbruch bei Mercedes-Benz um 55 Prozent
Im ersten Halbjahr 2025 brach der Gewinn bei Mercedes-Benz um 55,8 Prozent ein. Das Konzernergebnis sank von rund 6,1 Milliarden Euro auf nur noch etwa 2,7 Milliarden Euro. Auch der Umsatz fiel um 8,6 Prozent auf rund 66,4 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis (Ebit) meldete der Konzern einen Rückgang um 4,3 Milliarden Euro – von 7,9 auf 3,6 Milliarden Euro.
Zu den Hauptursachen zählen:
- Gestiegene Zölle im Handel mit den USA
- Rückläufiger Absatz, besonders in China
- Hohe Kosten für Effizienzmaßnahmen
- Schwache Nachfrage nach E-Fahrzeugen
Insgesamt wurden im ersten Halbjahr nur 900.000 Fahrzeuge verkauft – ein Rückgang um 6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Besonders problematisch: Der Absatz reiner Elektroautos ging um fast 20 Prozent zurück.
Neue Handelsregeln mit USA treffen Exporte
Mercedes-Benz muss künftig mit einem Einfuhrzoll von 15 Prozent auf Fahrzeuge in die USA rechnen. Das ist deutlich mehr als der vor Donald Trumps Amtszeit geltende Zollsatz von 2,5 Prozent. Zwar ist das niedriger als die seit April 2025 geltenden 27,5 Prozent, doch bleibt es eine starke Belastung.
Zollübersicht USA-EU-Handel
| Zeitraum | Einfuhrzoll USA für EU-Fahrzeuge | Bemerkung |
|---|---|---|
| vor Trump-Ära | 2,5 % | Historisch niedriger Satz |
| seit April 2025 | 27,5 % | Massive Erhöhung |
| künftig geplant | 15 % | Teilweise Reduzierung |
Für Fahrzeuge, die aus den USA in die EU exportiert werden, könnte es hingegen Entlastungen geben. Mercedes würde hiervon profitieren, da der Konzern weltweit aus den USA heraus exportiert. Dennoch überwiegen aus Sicht des Unternehmens die negativen Zolleffekte.
Chinas Luxussteuer belastet Absatz zusätzlich
Seit Mitte Juli 2025 erhebt China eine verschärfte Luxussteuer auf Fahrzeuge mit einem Preis ab rund 110.000 Euro. Die Zusatzbelastung liegt bei 10 Prozent. Das betrifft zahlreiche Modelle von Mercedes-Benz direkt.
Der chinesische Markt schwächelt bereits seit Monaten. Mercedes hatte dort schon 2024 starke Einbrüche verzeichnet. Der Gewinn ging im vergangenen Jahr um 28 Prozent auf 10,4 Milliarden Euro zurück. Der Umsatz fiel um 4,5 Prozent auf 145,6 Milliarden Euro, während das Ergebnis vor Zinsen und Steuern um fast ein Drittel auf 13,6 Milliarden Euro sank.
Finanzkennzahlen im Vergleich
| Jahr | Gewinn (Mrd. €) | Umsatz (Mrd. €) | EBIT (Mrd. €) |
|---|---|---|---|
| 2024 | 10,4 | 145,6 | 13,6 |
| H1 2025 | 2,7 | 66,4 | 3,6 |
| Veränderung (%) | -74,0 | -8,6 | -54,4 |
Besonders der Absatz von Luxusfahrzeugen in China steht nun unter Druck. Die neue Steuer trifft auch andere deutsche Hersteller wie Porsche, doch Mercedes-Benz ist besonders betroffen, da ein erheblicher Teil der hochpreisigen Modelle dort verkauft wird.
Sparprogramm mit Stellenabbau bis 2027
Mercedes-Benz reagiert mit einem ehrgeizigen Sparprogramm. Bis 2027 sollen jährlich 5 Milliarden Euro eingespart werden. Dazu gehört ein massiver Stellenabbau: Mehr als 40.000 Mitarbeitende außerhalb der Produktion erhielten bereits ein Abfindungsangebot.
Im zweiten Quartal 2025 stellte das Unternehmen dafür über eine halbe Milliarde Euro zurück. Der Gesamtbetriebsrat stimmte dem Maßnahmenpaket zu. Es betrifft vor allem Beschäftigte in indirekten Bereichen wie Verwaltung, IT und Entwicklung.
Geplante Maßnahmen im Überblick
- Einsparung von 5 Milliarden Euro jährlich
- Freiwillige Abfindungsprogramme für über 40.000 Mitarbeitende
- Stilllegung oder Reduktion bestimmter Kapazitäten
- Fokus auf rentablere Modellreihen
Finanzvorstand Harald Wilhelm bezeichnete das Paket als notwendig, um auf die neuen Marktbedingungen zu reagieren. Trotzdem bleibt offen, ob die Einsparungen ausreichen.
Ausblick bleibt unsicher
Für das Gesamtjahr erwartet Mercedes-Benz einen deutlich niedrigeren Umsatz und Absatz als 2024. Die bereinigte Umsatzrendite der Pkw-Sparte soll 2025 nur noch zwischen 4 und 6 Prozent liegen. Zum Vergleich: Im Vorjahr lag sie noch bei 8,1 Prozent.
Autoexperten wie Stefan Bratzel und Stefan Reindl warnen: Ohne steigende Verkaufszahlen könnten weitere Kürzungen notwendig werden. Sollte es dem Konzern nicht gelingen, mit neuen Modellen ab 2026 den Absatz deutlich zu steigern, drohen langfristige Einschnitte in der Produktion und Infrastruktur.
Trotz der Gewinneinbrüche arbeitet Mercedes-Benz weiterhin profitabel – Verluste gibt es derzeit nicht. Doch der Druck auf den Konzern nimmt zu. Die kommenden Quartale werden entscheidend dafür sein, wie robust das Unternehmen unter den aktuellen Bedingungen bleibt.
Quelle: SWR