Elektroautos unter Druck
Elektroautos unter Druck, Foto: Pixabay

Eine neue Analyse des Center Automotive Research zeigt deutliche Rückschläge für den Markt reiner Elektrofahrzeuge in Deutschland. Der Einbruch nach dem Ende der staatlichen Förderung Ende 2023 hat schwerwiegende Folgen. Privatkäufer wenden sich ab, die Ladeinfrastruktur wächst zu langsam, und chinesische Hersteller setzen die Branche unter Druck.

  • 2024 sank der Markt für batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) um 27,4 Prozent.
  • Nur 92.000 Privatkunden entschieden sich für ein E-Auto, 2023 waren es noch 170.000.
  • Am 1. Mai 2025 standen bundesweit 166.876 öffentliche Ladepunkte bereit.
  • Volkswagen steigerte seinen BEV-Anteil auf 21,1 Prozent, Tesla fiel auf 3,6 Prozent.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Rückgang bei Neuzulassungen in Deutschland
  2. Probleme beim Ausbau der Ladepunkte
  3. Vorbilder Norwegen, Frankreich und Niederlande
  4. Konkurrenz aus China belastet Volkswagen
  5. Handlungsempfehlungen der Studie

Rückgang bei Neuzulassungen in Deutschland

Der deutsche Markt für Elektroautos erreichte 2024 nur 380.609 Neuzulassungen. Das war der niedrigste Wert seit 2020. Besonders stark betroffen war der Privatmarkt. Dort halbierte sich die Zahl der Zulassungen fast. Erst massive Preisnachlässe und neue Leasingangebote sorgten 2025 wieder für Zuwächse.

Die Analyse weist zudem auf ein Akzeptanzproblem hin. Rund 70 Prozent der Führerscheinbesitzer in Deutschland haben noch nie ein reines Elektroauto getestet. Wer bereits Erfahrungen gesammelt hat, bewertet die Fahrzeuge zwar positiver. Dennoch bleibt die Technologie bislang ein vorwiegend städtisches Phänomen.

Probleme beim Ausbau der Ladepunkte

Am 1. Mai 2025 gab es in Deutschland 166.876 öffentliche Ladepunkte. Davon entfielen 23 Prozent auf Schnelllader. Obwohl in zwei Jahren über 70.000 neue Ladepunkte hinzugekommen sind, bleibt der Rückstand groß. Ein Ladepunkt versorgt durchschnittlich 17,3 Fahrzeuge, in den Niederlanden dagegen nur 6,4.

Die Ursachen sind laut Studie vielfältig:

  1. Fehlende zentrale Planung.
  2. Bürokratische Hürden.
  3. Zu wenig Ausbau in strukturschwachen Regionen.

Die Forscher fordern eine verbindliche Ladeplanung mit stärkerer Koordination. Besonders Supermärkte und Tankstellen sollen künftig verpflichtend Ladepunkte anbieten.

Vorbilder Norwegen, Frankreich und Niederlande

Die Autoren Beatrix Keim und Helena Wisbert zeigen auf, dass Nachbarländer erfolgreicher vorgehen. Norwegen setzt seit Jahren auf Steuerbefreiungen und Privilegien. Dort beträgt der BEV-Anteil an Neuzulassungen 97 Prozent. Frankreich verfolgt ein sozial ausgerichtetes Förderprogramm, das Haushalten mit niedrigem Einkommen den Einstieg erleichtert.

Die Niederlande setzen auf klare Ausbauziele und zentrale Steuerung. Dänemark fördert mit langfristigen Steuervergünstigungen und Stromsteuer-Rückerstattungen. Die Studie empfiehlt für Deutschland einen Maßnahmenmix, der Elemente dieser Modelle kombiniert.

Konkurrenz aus China belastet Volkswagen

Volkswagen steigerte 2025 seinen Marktanteil bei Elektroautos von 15,9 auf 21,1 Prozent. Neue Modelle wie der ID.2all und der ID.Every1 sollen Käufer mit Preisen unter 25.000 Euro ansprechen. Doch der Konzern leidet unter Softwareproblemen, sinkenden Gewinnen und massivem Wettbewerb aus China.

Chinesische Hersteller wie BYD, MG und Geely drängen verstärkt nach Europa. In China selbst lag der Marktanteil von "New Energy Vehicle" 2024 bereits bei 44 Prozent, reine BEVs erreichten 26 Prozent. Deutsche Marken kamen dort nur noch auf 1,5 Prozent. Die EU-Zölle auf chinesische Fahrzeuge schützen zwar die Industrie, verteuern aber auch europäische Modelle, die in China produziert werden.

Handlungsempfehlungen der Studie

Die Analyse schlägt konkrete Maßnahmen vor, um Deutschland wieder wettbewerbsfähig zu machen:

  • Förderung neu ausrichten: Umweltbonus auf günstige Modelle, längere Steuerbefreiung, Fokus auf Privatkunden.
  • Ladeinfrastruktur beschleunigen: Bürokratieabbau, niedrigere Stromsteuer, verpflichtende Ladepunkte bei Supermärkten.
  • Akzeptanz steigern: europaweite Kampagnen, mehr Carsharing-Angebote, Batteriezertifikate für Gebrauchtwagen.
  • Batterieindustrie stärken: Investitionsprogramme nutzen, Fachkräfte ausbilden, Produktionsstandorte sichern.
  • Industriepolitik anpassen: Joint-Ventures mit chinesischen Herstellern in Europa ermöglichen.

Entwicklung zentraler Kennzahlen

Jahr BEV-Neuzulassungen in Deutschland Ladepunkte gesamt Anteil VW BEV Anteil Tesla BEV Anteil BEV in China
2020 394.632 78.000 17,2 % 10,5 % 5 %
2023 524.000 96.000 15,9 % 11,5 % 21 %
2024 380.609 144.000 17,8 % 7,2 % 26 %
2025 410.000 (Schätzung) 166.876 21,1 % 3,6 % 26 %

Die Studie warnt, dass Deutschland ohne entschlossenes Handeln seinen Vorsprung im Automobilsektor verlieren könnte. Politik und Industrie stehen vor der Aufgabe, Ladeinfrastruktur, Förderung und Industriepolitik schnell neu auszurichten.

Quelle: Focus