Vom 4. bis 10. August führt die Polizei eine europaweite Geschwindigkeitskontrolle durch. Die Aktion betrifft insbesondere Schulzonen, Altenheime und Gefahrenstellen. Deutschland ist mit mehreren Bundesländern beteiligt. Auch im Ausland ist erhöhte Aufmerksamkeit geboten.
Inhaltsverzeichnis:
- Polizei in Baden-Württemberg, Niedersachsen und anderen Ländern beteiligt
- Roadpol-Netzwerk koordiniert Maßnahmen in Europa
- Anwalt Michael Winter gibt rechtliche Hinweise zu Messverfahren und Reaktionen
- Was erlaubt ist – und was verboten bleibt
- Toleranzgrenzen und Messunsicherheiten bei Geschwindigkeiten
- Blitzermarathon – ein wichtiges Signal für mehr Sicherheit
Polizei in Baden-Württemberg, Niedersachsen und anderen Ländern beteiligt
Die Polizei führt vom 4. bis zum 10. August eine koordinierte Kontrollwoche im Straßenverkehr durch. Die sogenannte „Speedweek“ wird von mehreren europäischen Staaten getragen. In Deutschland nehmen unter anderem Baden-Württemberg, Brandenburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein teil. Die Maßnahmen erfolgen gezielt an unfallträchtigen Abschnitten.
Der Schwerpunkt liegt auf Bereichen mit erhöhter Gefährdungslage. Kontrolliert wird etwa in der Nähe von Schulen, Altenheimen und Kliniken. Dabei geht es nicht nur um die Einhaltung der Höchstgeschwindigkeit, sondern auch um das Erkennen gefährlicher Fahrweisen.
Nicht alle Bundesländer veröffentlichen die Messstellen im Voraus. Laut ADAC bleiben viele Kontrollpunkte geheim. Ziel ist es, den Überraschungseffekt zu erhalten und präventiv zu wirken.
Roadpol-Netzwerk koordiniert Maßnahmen in Europa
Parallel zur nationalen Kampagne läuft die europaweite Kontrollwoche unter dem Dach des Roadpol-Netzwerks. Hinter dem Projekt steht ein Zusammenschluss europäischer Verkehrspolizeien, der sich der Reduzierung von Verkehrsunfällen verschrieben hat.
Wer also während der Ferien ins Ausland fährt, sollte besonders aufmerksam fahren. Auch in Ländern wie Frankreich, Polen oder Italien finden Geschwindigkeitskontrollen statt. Verstöße können grenzüberschreitend verfolgt werden.
Die Polizei in Europa setzt auf verschiedene Messmethoden. Dabei kommen Lasergeräte, Induktionsschleifen, Radartechnologie und Kamerasysteme in Einsatzfahrzeugen zum Einsatz.
Anwalt Michael Winter gibt rechtliche Hinweise zu Messverfahren und Reaktionen
Rechtsanwalt Michael Winter, Experte für Verkehrsrecht, erklärt, wie sich Betroffene nach einem Blitzer verhalten sollten. Seine Empfehlungen gelten für einfache Ordnungswidrigkeiten sowie für schwerwiegendere Geschwindigkeitsverstöße ab 21 km/h.
Häufige Messmethoden im Überblick:
| Methode | Funktionsweise |
|---|---|
| Radarmessung | Erkennung der Geschwindigkeit über reflektierte elektromagnetische Wellen |
| Lasermessung | Weg-Zeit-Berechnung über Lichtimpulse |
| Induktionsschleifen | Drucksensoren in der Straße messen Zeit zwischen zwei Punkten |
| Lichtschranken | Unterbrechung mehrerer Lichtstrahlen ermittelt Geschwindigkeit |
| Video-Fahrzeugmessung | Polizeifahrzeug filmt und vergleicht eigene mit gemessener Geschwindigkeit |
| Abschnittskontrolle (Section-Control) | Durchschnittsgeschwindigkeit wird über zwei Foto-Punkte berechnet |
| Hubschrauberüberwachung | Kamera misst aus der Luft mit großem Sicherheitsabzug |
Bei gravierenden Verstößen kann ein Fahrverbot die Folge sein. Ab 31 km/h innerorts oder 41 km/h außerorts droht Ersttätern der Entzug der Fahrerlaubnis für einen Monat.
Was erlaubt ist – und was verboten bleibt
Viele Autofahrer versuchen, Radarfallen zu umgehen – häufig mit illegalen Mitteln. Laut § 23 Straßenverkehrsordnung sind Radarwarner, Blitzer-Apps und Störgeräte ausdrücklich verboten. Das Mitführen reicht aus, um ein Bußgeld von 75 Euro und einen Punkt in Flensburg zu erhalten.
Legal bleiben dagegen folgende Methoden:
- Blitzerwarnungen über das Radio
- Handzeichen von anderen Verkehrsteilnehmern
- Parken vor einem Blitzer (wenn legal erlaubt)
Verboten sind:
- Blitzer-Apps und Navi-Add-Ons mit Warnfunktion
- Reflektierende Folien auf dem Kennzeichen
- Gegenblitzer am Innenspiegel
- CDs als Reflexionsmittel
- Anbringen von Warntafeln vor aktiven Blitzern
- Verdecken oder Beschädigen von Messgeräten
Winter rät davon ab, sogenannte Geheimtipps wie reflektierende Kennzeichenfolien oder CDs am Rückspiegel einzusetzen. Diese Methoden sind nicht nur wirkungslos, sondern auch strafbar – unter Umständen droht sogar Freiheitsstrafe.
Toleranzgrenzen und Messunsicherheiten bei Geschwindigkeiten
Nicht jede angezeigte Geschwindigkeit auf dem Messfoto entspricht der rechtlich relevanten. Bei stationären Messungen werden Toleranzen abgezogen:
- 3 km/h bei Geschwindigkeiten bis 100 km/h
- 3 % bei Geschwindigkeiten über 100 km/h
Dazu kommt die sogenannte Tacho-Voreilung. Bei Fahrzeugen mit Zulassung vor 1991 darf der Tacho bis zu 7 % voreilen. Nach 1991 sogar bis zu 10 %, plus 4 km/h. Diese Abweichungen führen dazu, dass viele Fahrer ohne Absicht schneller unterwegs sind, als erlaubt.
Blitzermarathon – ein wichtiges Signal für mehr Sicherheit
Die europaweite Aktion soll das Bewusstsein für angepasste Geschwindigkeit stärken. Durch verstärkte Präsenz auf gefährlichen Strecken setzt die Polizei ein klares Zeichen gegen Raserei.
Michael Winter betont, dass gerade Wiederholungstäter mit strengen Konsequenzen rechnen müssen. Wird man innerhalb eines Jahres erneut mit über 26 km/h zu viel geblitzt, greift automatisch ein Regelfahrverbot.
Verkehrsteilnehmer sollten daher ihre Geschwindigkeit nicht nur wegen möglicher Kontrollen anpassen, sondern auch im Sinne der eigenen Sicherheit und der anderer.
Quelle: Focus